Skip to main content

Staatliche Hilfen bei Überschuldung rechtzeitig beantragen

Sobald das monatliche Einkommen über einen längeren Zeitraum unter den Lebenshaltungskosten (samt den fälligen Raten und Rechnungen) liegt, ist der Betroffene überschuldet. Das heißt, die monatlichen Ausgaben liegen dauerhaft über den monatlichen Einnahmen. In solchen Fällen hat man gegebenenfalls auf eine oder mehrere staatliche Hilfen Anspruch. Hierzu zählen finanzielle Leistungen und die staatliche Schuldnerberatung.

Welche staatlichen Hilfen bei Überschuldung gibt es?

Leider ist man schneller überschuldet, als man denkt. Grund hierfür ist oftmals, dass vermeintliche Schnäppchen und Kreditangebote wahrgenommen werden, ohne zuvor gut abzuwägen. Vor jeglicher Kreditaufnahme und/oder größeren Anschaffung sollten unbedingt die Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt werden.

Nur so lässt sich erkennen, ob die künftigen Kreditraten ohne Probleme zu zahlen sind oder ob mit wachsenden Schulden zu rechnen ist. Gerade dann, wenn das Einkommen bereits kaum über den Ausgaben liegt, ist von einer Kreditaufnahme abzusehen. Jeder, der nach einer Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben feststellen sollte, dass er nur noch einen kleinen Geldbetrag monatlich zur freien Verfügung hat, ist gefordert zu überprüfen, ob ihm womöglich staatliche Hilfe zusteht. Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben erfolgt am besten in Form eines Haushaltsplans, der die nachstehend genannten Bereiche berücksichtigen sollte:

Einnahmen Fixe Ausgaben Flexible Ausgaben
Lohn/Gehalt Wohnungsmiete Lebensmittel
Sozialleistungen (beispielsweise Kindergeld) Betriebskosten Kleidung
Mieteinnahmen und/oder Pachteinnahmen Telefon und Internet Arbeitsmittel und Schulzubehör
Kapitaleinkünfte Versicherungen Benzinkosten
Abo(s) Reparaturkosten
Unterhaltszahlung Freizeit
Kreditraten

 

Zweckmäßig ist es, sich entweder einen zur eigenen Lebenssituation passenden Haushaltsplan herunterzuladen oder zum Beispiel eine Stelle aufzusuchen, die über Experten in diesem Bereich verfügt – beispielsweise eine Verbraucherzentrale. Ein Termin im Sozialamt dient dazu, zu klären, ob womöglich auf Wohngeld, Kindergeld-Zuschlag oder andere Sozialleistungen Anspruch besteht. Sollte sich die bisherige Lebenslage ändern, erfüllt man gegebenenfalls die Voraussetzungen, um bestimmte Leistungen erfolgreich beantragen zu können.

Bestes Beispiel ist die Geburt eines Kindes, die einem nicht nur Kindergeld, sondern eventuell auch finanzielle Unterstützung anderer Art zusichert – etwa Elterngeldgeld und Betreuungsgeld. Eine Nachfrage bei der zuständigen Elterngeldstelle bringt auf jeden Fall Klarheit. Wenn es darum geht, zunächst einmal Unterkunft und Energieversorgung sicherzustellen, kann das Sozialamt möglicherweise ein Darlehen oder eine Beihilfe gewähren. Umgehend an sein Sozialamt wenden sollte sich jeder, dem die Zwangsräumung oder gar Obdachlosigkeit droht.

Die staatliche Schuldnerberatung als wichtige Einrichtung

Länder und Kommunen treten vielerorts als Träger von Schuldnerberatungsstellen auf. Wichtigstes Anliegen der Beratungsstellen ist, entweder eine Überschuldung abzubauen oder bestenfalls zu vermeiden. Sofern noch nicht geschehen, wird ein Mitarbeiter der Schuldnerberatungsstelle gemeinsam mit Ratsuchenden dessen Einnahmen, Ausgaben und Verbindlichkeiten gegenüberstellen. Vorrangiges Ziel ist es, einen Plan aufzustellen, auf welche Weise die Lebensführungskosten zu reduzieren sind.

In Frage kommen beispielsweise der sparsamere Umgang mit Energie, die Kündigung von Abos und niedrigere Ausgaben für Freizeitaktivitäten. Der zweite Schritt in Sachen staatliche Hilfen bei Überschuldung beinhaltet die Untersuchung der bislang aufgelaufenen Schulden durch den Experten der Schuldnerberatungsstelle. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, dass der Hilfesuchende folgende Unterlagen vorlegt:

  • Kreditverträge
  • Ratenverträge
  • Mahnungen
  • aktuelle Kontoauszüge

Nachdem der Berater sich mit den Unterlagen vertraut gemacht hat, kontaktiert er den/die Gläubiger, um gemeinsam einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten. In der Praxis werden häufig Ratenzahlungen oder die Zahlung eines Teils der Forderung unter Verzicht auf den Rest vereinbart. Ist der Schuldenberg jedoch so hoch, dass der/die Gläubiger sich auf keine Verhandlungen einlassen, muss vermutlich die Privatinsolvenz eingeleitet werden. Auch hierbei unterstützt die Schuldnerberatungsstelle die überschuldete Person.

Denn eine Privatinsolvenz erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und die Verpflichtung keine neuen Schulden zu verursachen. Gerade während dieser sechs Jahre andauernden „Wohlverhaltensphase“ ist es wichtig, mit der Schuldnerberatungsstelle eine Einrichtung zur Seite zu haben, die staatliche Hilfen bei Überschuldung in Form von Begleitung – und vor allem Motivation bietet. Nach insgesamt sieben Jahren hat es der Schuldner geschafft: Sämtliche noch bestehenden Forderungen gegen ihn werden erlassen.

Einer Überschuldung entgegenwirken

Ebenfalls die Aufgabe der Schuldnerberatungsstellen ist die Schuldenprävention: Personen, die gefährdet sind, sich zu verschulden, werden durch speziell geschulte Mitarbeiter der Beratungsstellen aufgeklärt und umfassend informiert, um den richtigen Umgang mit Geld zu erlernen und Schulden zu vermeiden. Zu diesem Themenkomplex werden häufig Kurse von den Schuldnerberatungsstellen angeboten, so dass man bestenfalls staatliche Hilfen bei Überschuldung gar nicht erst in Anspruch nehmen muss. Grundsätzlich sind Aufklärung und Information durch Experten als bedeutende Instrumente anzusehen, eine Überschuldung zu vermeiden oder zumindest erfolgreich abzubauen.

Denn nur derjenige, der weiß, welche Folgen der allzu leichtfertige Umgang mit Geld hat, kann nachvollziehen, was bislang falsch lief. Ein Umdenken und ein positiv geändertes Handeln sind üblicherweise die gewünschte Folge. Selbst dann, wenn man der Ansicht ist, nie zur Gruppe der Überschuldeten zu gehören, ist es unabdingbar, die eigene finanzielle Lage stets im Blick zu behalten. Außerdem kann es auf gar keinen Fall schaden, über die raffinierten Vorgehensweisen des Handels und der Kreditinstitute Bescheid zu wissen. Letztendliches Ziel für jeden Bürger muss es sein, mit dem Einkommen auszukommen, ohne auf die Dinge verzichten zu müssen, die einem wichtig sind.