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Wie viel kostet eine Schuldenberatung?

Wer überschuldet ist und sich damit nicht mehr in der Lage sieht, seinen finanziellen Verpflichtungen (Schulden) nachzukommen gilt als überschuldet und sollte eine Schuldenbereinigung durchführen. Manchmal ist es ja nur ein kurzzeitiger Engpass, etwa wenn der Urlaub oder die Autoreparatur doch deutlich teurer war als erwartet. Wer über ein regelmäßiges Einkommen in ausreichender Höhe oder begüterte Freunde verfügt, steckt so was natürlich locker weg.

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Schuldenberatung, rettender Engel aller Überschuldeten

Anders verhält es sich mit Personen, die ohnehin mit jedem Cent rechnen müssen und schon andere Schulden haben. Wer in solch einer Situation ohne jegliche Rücklagen ist, steckt schneller und tiefer in der Schuldenfalle, als er es sich hätte träumen lassen. Eine Schuldenberatung kann in solchen Fällen entscheidende Hilfe bieten. Die Ende der 70er Jahre als Teilbereich der sozialen Arbeit entstandene Schuldenberatung war zunächst nur für Randgruppen wie Strafentlassene und Obdachlose gedacht. Im Zuge der sich seit Jahren verschärfenden sozialen Unterschiede (man spricht mit schöner Regelmäßigkeit vom stetig anwachsenden Einkommensgefälle) ist die Schuldenberatung inzwischen das wichtigste öffentliche Instrument geworden, Betroffenen aus ihrer finanziellen Misere zu helfen.

Was ist eine Schuldenberatung?

Mittlerweile gelten in Deutschland gut 10 Prozent aller Haushalte als überschuldet und weit über 100.000 Haushalte nehmen Jahr für Jahr am Verbraucherinsolvenzverfahren teil. Das Problem ist also längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und pünktlich zum Monatsende werden hierzulande in hunderttausenden von Haushalten ausschließlich Nudeln mit Ketchup serviert. Die Hauptursachen der Überschuldung derart vieler Haushalte sind nicht alleine in den Verlockungen der Konsumgesellschaft zu finden. Mindestens genauso schuldig ist die immens hohe Arbeitslosigkeit, ein sich über die letzten Jahre immer weiter verschärfendes Lohndumping sowie staatliche Kürzungen in sämtlichen Sozialbereichen. Nur allzu gerne und mit schöner Regelmäßigkeit beklagen TV, Zeitungen und Politiker unisono die sich immer weiter öffnende Einkommensschere, nur hilft dies den vielen Millionen Betroffenen leider absolut nichts. Denn selbst der erst kürzlich mit viel medialem Werbegetrommel auf den Weg gebrachte Mindestlohn führt zu einem Einkommen, das noch nicht einmal Hartz 4-Niveau erreicht.

Die Gläubiger überschuldeter Haushalte

Hier eine Schuldenstatistik überschuldeter Haushalte in Deutschland gemäß dem amtlichen Überschuldungsreport 2014. Der wird immer erst im Folgejahr erstellt, daher beziehen sich diese Zahlen auf das Jahr 2013. Demgemäß betrug die Schuldenlast eines überschuldeten Haushalts in Deutschland durchschnittlich 28.054 Euro.

Gläubigertyp Durchschnittsschuldenhöhe Prozent der Gesamtschulden
Banken 13.080 46,62
Versicherungen 1.006 3,59
Versandhandel 468 1,67
Vermieter und Versorgungsunternehmen 1.173 4,18
Telekommunikationsunternehmen 1.114 3,97
Sonstige gewerbliche Gläubiger 2.392 8,53
Offentlich-rechtliche Gläubiger 3.858 13,75
Unterhaltsberechtige und sonstige Gläubiger 1.516 5,40
Gerichte, Inkassounternehmen, Rechtsanwälte 3.447 12,29
Summe 28.054 100

 

Aus dieser Tabelle lassen sich vor allem zwei interessante Fakten herausziehen. Nicht weiter verwunderlich ist, dass über die Hälfte aller Gläubiger Banken sind, dort haben die meisten von uns Schulden. Schließlich regelt man ja mit seinem Girokonto die allermeisten finanziellen Transaktionen und Kredite gibt es natürlich dort auch. Was allerdings weitaus mehr überrascht, ist der relativ hohe Prozentanteil der durch Gerichte, Inkassounternehmen und Rechtsanwälte verursachten Kosten. Dies unterstreicht erneut Eines: die Wichtigkeit möglichst frühzeitig tätig zu werden, wenn die Gefahr besteht, dass die Finanzen aus dem Ruder laufen könnten. Denn all diese Kosten sind letztlich nur das Resultat einer bereits seit Längerem im Gange befindlichen Überschuldung. Sie wären völlig problemlos zu vermeiden, wenn man sich nur rechtzeitig genug darum kümmern würde. „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ gilt eben auch und insbesondere für alles, was mit finanziellen Angelegenheiten zu tun hat.
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Wartezeiten bei Schuldenberatung

Angesichts derart erschreckender Zahlen erscheint es auch kaum verwunderlich, dass die Zahl der Stellen für Schuldnerberatung (kostenlos bei Caritas) seit den 80er Jahren enorm zugenommen hat. Ein Tropfen auf dem heißen Stein allerdings, denn noch weitaus schneller wuchs die Zahl der in finanzieller Not geratenen Haushalte. Diesem Beratungsbedarf können die gemeinnützig tätigen, also vorzugsweise die kirchlichen und staatlichen Einrichtungen bei Weitem nicht mehr gerecht werden. Gerade mal 12 Prozent aller überschuldeten Haushalte haben hierzulande die Chance, von einer gemeinnützigen Schuldnerberatung Hilfe zu bekommen wenn sie auch benötigt wird. Denn was nutzt es, wenn man bei der Caritas einen Termin in einem halben Jahr bekommt, der Wohnungsräumer jedoch seinen unwillkommenen Besuch für nächste Woche angekündigt hat? Auch diese durch die viel zu geringe Anzahl an kostenlosen Schuldenberatungsstellen verursachten terminlichen Wartezeiten sind letztlich die Konsequenz aus einer sich unsozial gebärdenden Wirtschaftspolitik in Kombination mit einem durch die Politik verursachten Kahlschlag im sozialen Bereich.

Des einen Leid, des anderen Freud

Diese Entwicklungen erfreuen eigentlich nur einen: den gewerblich tätigen Schuldnerberater, der aus diesen Gründen seit Jahrzehnten eine massive Zunahme an Hilfesuchenden zu verzeichnen hat. Den gewerblichen Schuldenberater muss man streng von den unentgeltlich tätigen Beratungsstellen in staatlicher oder freier Trägerschaft unterscheiden. Während Letztgenannte eng mit Verbraucherverbänden zusammenarbeiten und für den Betroffenen stets seriös und unentgeltlich arbeiten, verlangen private Schuldnerberatungen für ihre Tätigkeit Geld. Und das Honorar kann beliebig hoch ausfallen, denn mangels einer vorhandenen Gebührenordnung kann ein Schuldnerberater theoretisch jede beliebige Summe verlangen. Da es zudem auch keine offizielle Ausbildung zum Schuldenberater gibt, darf sich jeder Schuldnerberater nennen – ob er nun qualifiziert ist oder auch nicht. Nähere Informationen über Schuldnerberater finden sich übrigens im gleichnamigen Artikel auf dieser Website.

Wie findet man eine seriöse Schuldenberatung?

Kostenlose Schuldenberatungen werden im Unterschied zu den gewerblichen Schuldnerberatungen vornehmlich von Kommunen, kirchlichen und freien Trägern der Wohlfahrtsverbände sowie von Vereinen und Verbraucherverbänden angeboten. Überschuldete Privatpersonen können diesen für den Betroffenen kostenlos tätigen Beratungsstellen bedenkenlos vertrauen. Dazu zählen insbesondere die von den Sozialämtern empfohlenen Schuldenberatungsstellen, praktisch sämtliche Verbände der freien Wohlfahrt, soziale Vereine in freier Trägerschaft sowie die großen und zumeist bundesweit tätigen Beratungsstellen wie etwa

  • Caritas
  • Diakonie
  • Evangelische Beratungszentren
  • Kirchliche Erwerbsloseninitiativen
  • Katholischer Verein für soziale Dienste
  • SKFM (Sozialdienst katholischer Frauen und Männer)
  • DRK (Deutsches Rote Kreuz)
  • Wohlfahrtsverbände
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband
  • AWO (Arbeiterwohlfahrt)
  • Nicht kirchliche Träger der freien Wohlfahrtspflege
  • Sonstige und kommunale Beratungsstellen der Verbraucherzentralen und Kommunen
  • Beratungsstellen mit Trägerkombinationen

Bezüglich der Trägerschaft gibt es zwischen Ost- und Westdeutschland übrigens erhebliche Unterschiede. Während Schuldenberatungen in den neuen Bundesländern hauptsächlich von den kirchlichen und nicht kirchlichen Trägern der freien Wohlfahrtspflege angeboten werden, dominieren in großen Teilen Westdeutschlands kommunal betriebene und konfessionell gebundene Träger. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen dagegen sind hauptsächlich Vereine und sonstige Träger beratend tätig. Insbesondere in größeren Städten gibt es zudem zahlreiche Privatinitiativen ehrenamtlich tätiger Personen, Verbände und Vereine. Dies ist sehr sinnvoll, denn eine gute Schuldenberatung sollte stets vor Ort sein. Was nutzt es schließlich, einen Beratungstermin in einer 100 km entfernten Stadt zu bekommen, wenn man sich noch nicht einmal die Fahrten dorthin leisten kann?

Staatlich anerkannte Schuldenberatung

Durch das seit dem 1.1.1999 gesetzlich verankerte Verbraucherinsolvenzverfahren wurde die Schuldnerberatung zu einer Insolvenzberatung erweitert. Die ermöglicht dem Schuldner unter ganz präzisen gesetzlichen Voraussetzungen letztlich eine komplette außergerichtliche Schuldenbereinigung. Sie hat sich inzwischen zum letzten Rettungsring für die allermeisten der in finanzielle Not geratenen Hilfesuchenden gemausert. Um allerdings ein Verbraucherinsolvenzverfahren überhaupt durchführen zu dürfen, muss die Schuldnerberatung staatlich anerkannt sein. Leider gibt es bislang keinerlei genauen und schon gar keine bundeseinheitlichen, gesetzlichen Vorschriften, um als staatlich anerkannt gemäß § 305 Insolvenzordnung (InsO) zu gelten. Auch hat die staatliche Anerkennung originär nichts mit der eigentlichen fachlichen Kompetenz der Beratung zu tun. Stattdessen sollte die Beratungsfirma laut sehr vage formulierten Vorgaben nachfolgende Eigenschaften vorweisen:

  • Sie muss über praktische Erfahrung in der Schuldenberatung verfügen
  • Die Berater müssen fachliche Qualifikationen vorweisen
  • Die Berater müssen fachlich in der Lage sein, auch rechtlich verbindlich zu beraten
  • Datenschutzgesetze müssen beachtet werden

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Aus diesen Gründen besitzen auch die in kommunaler, freier und kirchlicher Trägerschaft agierenden Beratungsstellen ausnahmslos die staatliche Anerkennung. Denn der Gesetzgeber geht einfach davon aus, dass diese bereits Erfahrung im Umgang mit Schuldnern haben und fachlich qualifiziertes Personal dort in der Beratung tätig ist. Überprüft wird dies allerdings praktisch nie. Anders verhält es sich mit gewerblich tätigen Schuldenberatungen. Diese müssen belegen, dass sie

die oben genannten Punkte ausnahmslos erfüllen. Erst dann dürfen sie sie sich auch Insolvenzberatung nennen und mit Betroffenen eine Restschuldbefreiung gemäß dem Verbraucherinsolvenzverfahren §§ 304 – 314 Insolvenzordnung (InsO) durchführen.